Interview
Helmut Gotschy
im Radio SWR 4
(22. Mai 2013)

Helmut Gotschy

Vom Drehleierbauer
zum Krimiautor

Ich habe hin- und herüberlegt, wie ich es anstellen soll, mein Leben – meine Vergangenheit – zu beschreiben. So zu beschreiben, dass sie verstanden wird und den Leser vielleicht sogar ein wenig berührt. Letztlich habe ich beschlossen, mal was Neues zu wagen:
Du bist Ich!

Du beschließt im Frühjahr 1977 – damals gerade mal 24 Jahre alt – Gitarrenbauer zu werden. Die Suche nach einer Lehrstelle führt dich nach Freiburg. Doch kaum dort angekommen, ist der Lehrmeister verstorben. Doch der Wunsch ist so stark, dass du auf eigene Faust beginnst, zu experimentieren. Dann ändert sich alles. Trotzdem – du mietest dir eine kleine Werkstatt und legst los. Eines Nachmittags begegnest du in der Fußgängerzone einem französischen Straßenmusiker-Trio. Das Mädchen spielt ein merkwürdiges Instrument, das du noch nie zuvor gesehen oder gehört hast. Es ist eine Drehleier. Ab diesem Moment hast du nur noch den einen Wunsch: Du willst Drehleiern bauen – und nichts anderes!

Im Jahr darauf, nach einer fünfmonatigen Überlandreise nach Indien, ziehst du nach Berlin und eröffnest in Kreuzberg eine Werkstatt mit dem Namen Helme’s Lad’n. Dort baust und verkaufst du einfache Musikinstrumente und versuchst dich an deiner ersten Drehleier. Es dauert sieben Monate, bis sie halbwegs hörbare Töne von sich gibt. Du bist stolz wie sonst wer. Bereits das zweite Instrument findet einen Käufer und ein paar Jahre später bist du als Drehleierbauer landesweit bekannt. Bis zum Jahr 2010 summiert sich die Anzahl deiner Drehleier auf über 800. Diese werden in nunmehr 35 Länder auf allen Kontinenten gespielt.

Im Herbst 2007 begegnest du in Sri Lanka Thomas Nikel, einem bekannten Film- und Fernsehregisseur, der dich zum Schreiben animiert. Noch in derselben Nacht beginnst du, deine Reiseerlebnisse aufzuschreiben. War es Zufall, Fügung oder Glück, dass du ein Jahr später einen Drehleierauftrag von einer Hobbymusikerin bekommst, die im Hauptberuf einen Verlag leitet? Im Jahre 2009 erscheint dein autobiografischer Roman Papaya mit Rosinen im Fünf-Raben-Verlag.

Ein Stipendium ermöglicht dir ein dreijähriges Schreibstudium bei INKAS, dem „Institut für kreatives Schreiben“ in Bad Kreuznach, das du mit dem Kurzgeschichtenband Storch erfolgreich abschließt.

Nur wenig später jedoch zwingen dich gesundheitliche Probleme, den Instrumentenbau aufzugeben. Du verkaufst dein Geschäft. Von nun an hast du mehr Zeit zum Schreiben. Diese Zeit nutzt du und verarbeitest deine beruflichen Erlebnisse in dem Buch Der geschenkte Traum, der deinen Weg vom Spielzeugbastler zum Drehleier-Weltmarktführer aufzeigt.

Inspiriert durch die Ulmer Autoren, deren Mitglied du einige Jahre bist, entscheidest du, dich der Kriminalliteratur zuzuwenden. Du baust deine Erfahrungen aus dem Künstlermilieu mit ein. Dein erster Krimi mit dem Titel Die Tote in der Blau erscheint am 28. Juni 2017 im emons:-Verlag. Du hast dein Ziel erreicht!

Doch Genug ist nicht genug – sorry. Weitere Krimis sind in bereits in Arbeit!